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Prävention stärken, Gesundheit sichern

Wissenschaftsrat mahnt Kurswechsel im Gesundheitssystem an

Der Wissenschaftsrat hat ein Positionspapier vorgelegt mit dem Titel „Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft“. Darin fordert er einen grundlegenden Kurswechsel im deutschen Gesundheitssystem: Weg von der vorwiegenden Reparatur von Krankheit, hin zu einer konsequenten Ausrichtung auf Prävention und Gesundheitsförderung.

Ausgangspunkt ist eine ernste Bestandsaufnahme. Die Bevölkerung wird älter und häufiger krank, Umweltbelastungen nehmen zu, Fachkräfte in Medizin und Pflege fehlen. Gleichzeitig gehört das deutsche Gesundheitssystem zu den teuersten weltweit, ohne dass sich dies in einer entsprechend hohen Lebenserwartung niederschlägt. Prävention wird bislang zu wenig genutzt, obwohl bekannt ist, wie wirksam sie sein kann.

Prävention als systemrelevanter Faktor

Der Wissenschaftsrat spricht sich deshalb für einen Kulturwandel aus. Prävention und Gesundheitsförderung werden ausdrücklich als systemrelevant bezeichnet – zur Entlastung der Gesundheits- und Sozialsysteme sowie als wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gesundheit soll frühzeitig und verbindlich mitgedacht werden, nicht nur im Gesundheitswesen selbst, sondern in allen relevanten Politikfeldern wie Bildung, Arbeit, Umwelt, Ernährung, Verkehr oder Stadtentwicklung.

Besonders kritisch sieht der Wissenschaftsrat, dass Präventionsangebote viele Menschen nicht erreichen, vor allem sozial benachteiligte Gruppen. Dadurch vertiefen sich gesundheitliche Ungleichheiten. Gesundheit müsse deshalb als gemeinsames Ziel in allen Politikbereichen verankert werden, um wirksame und gerechte Prävention zu ermöglichen.

Mehr Daten und Forschung

Ein zentrales Anliegen ist die bessere Nutzung von Wissen und Daten. Für evidenzbasierte Prävention braucht es eine belastbare Datengrundlage und einen erleichterten Zugang zu Forschungsdaten, bei hohem Datenschutz. Zugleich betont der Wissenschaftsrat, dass dringend mehr Forschung notwendig ist, um zu verstehen, wie Präventionsmaßnahmen im Alltag tatsächlich umgesetzt und verstetigt werden können. Neue Ansätze sollen deshalb gezielt in realen Lebenswelten erprobt werden, etwa in Kitas, Schulen oder Betrieben. Kinder und Jugendliche sowie Geschlechteraspekte sollen dabei stärker berücksichtigt werden.

Auch Gesundheitskompetenz und Gesundheitskommunikation spielen eine zentrale Rolle. Informationen müssen verständlich sein und kulturelle wie soziale Unterschiede berücksichtigen. Nur so können Menschen befähigt werden, gesundheitsrelevante Entscheidungen im Alltag zu treffen. Dafür braucht es geeignete Kommunikationsstrategien und Strukturen, die unterschiedliche Lebenslagen ernst nehmen.

Die Strukturen in Forschung, Ausbildung und Versorgung müssen sich ebenfalls weiterentwickeln. Der Wissenschaftsrat empfiehlt interdisziplinäre Präventionszentren an Hochschulen, die Medizin, Gesundheits-, Sozial- und Umweltwissenschaften zusammenbringen und den Austausch mit Politik, Praxis und Öffentlichkeit fördern. Präventives Denken soll zudem fester Bestandteil von Studium, Aus- und Weiterbildung in Medizin und Gesundheitsberufen werden.

Anreize und Regulierungen schaffen

Schließlich fordern die Expertinnen und Experten verlässliche Anreize und ausreichende Ressourcen für Prävention. Finanzielle und regulatorische Instrumente sollen daraufhin überprüft werden, ob sie tatsächlich gesundheitsförderlich wirken. Erfolgreiche Modellprojekte müssten systematisch ausgewertet und weiterentwickelt werden. Zudem spricht sich das Gremium für eine stärkere Regulierung gesundheitsrelevanter Produkte wie Alkohol, Tabak oder stark verarbeiteter Lebensmittel aus. Zusätzliche Einnahmen daraus sollen gezielt in Präventionsforschung und unabhängige Förderstrukturen fließen.

Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in allen Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Wissenschaft, der Forschung und des Hochschulbereichs.

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier

Positionspapier Kurzfassung

Positionspapier Langfassung

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