Wie geht’s? Psychische Gesundheit im Blick am Demokratietag
Der landesweite Demokratie-Tag Rheinland-Pfalz ist ein Treffpunkt für Schülerinnen und Schüler, Jugendliche, Lehrkräfte sowie Menschen, die sich für Demokratiebildung und Beteiligung engagieren. Workshops, Diskussionen, Projekte und Mitmachangebote laden dazu ein, Demokratie praktisch zu erleben, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und sich einzubringen. Der 21. Demokratie-Tag fand am 24. September 2026 in Ingelheim unter dem Motto „Power of Democracy. Macht Demokratie!“ statt. Mehr als 1.200 Menschen nahmen teil.
Die LZG beteiligte sich unter dem Motto „Wie geht’s? Psychische Gesundheit im Blick“ mit einem Infostand, einer Umfrage und einem Creative-Writing-Workshop. Dahinter stand die Frage, was psychische Gesundheit mit Demokratie und Mitbestimmung zu tun hat: Wie junge Menschen ihren Alltag erleben, hängt auch davon ab, ob sie sich zugehörig und unterstützt fühlen, ob ihre Meinung gehört wird und ob sie bei Dingen mitbestimmen können, die sie betreffen. Der Infostand war über den Tag hinweg gut besucht. 106 junge Menschen beteiligten sich an der Mitmachaktion „Wie geht’s?“. Auch zahlreiche Lehrkräfte informierten sich über Angebote und Materialien der LZG, mit denen sich Gesundheitsthemen in den Unterricht integrieren lassen.
Freundschaften tragen, Schule stresst
Für die quantitative Auswertung konnten 81 Fragebögen von 10- bis 18-Jährigen berücksichtigt werden. Fast die Hälfte beschrieb ihr Befinden in den Tagen zuvor als „mal so, mal so“, rund 42 Prozent als eher gut oder sehr gut.
Besonders wichtig für das Wohlbefinden waren Freundinnen und Freunde: Rund 90 Prozent der Teilnehmenden nannten sie als Ressource im Alltag. Es folgten Musik, Sport und Bewegung sowie Zeit für sich selbst. Auch Familie, Natur und das Gefühl, dazuzugehören, spielten eine wichtige Rolle.
Bei den Belastungen stach ein Thema klar hervor: Rund 86 Prozent der Jugendlichen gaben auf die Frage, wovon sie sich gerade gestresst fühlen, Schule und Leistungsdruck an. Auch Selbstzweifel in Bezug auf Aussehen und Körper, familiäre Probleme sowie zu wenig Freizeit und Erholung beschäftigten viele. In den offenen Antworten wünschten sich die Befragten entsprechend häufig weniger schulischen Druck und mehr Zeit für sich.
Gehört und ernst genommen werden
Wie stark Jugendliche Mitbestimmung erleben, unterscheidet sich je nach Lebensbereich. In der Familie fühlten sich rund 83 Prozent sehr oder ziemlich gehört, in Vereinen, Gruppen und Jugendtreffs etwa 72 Prozent. In Schule und Ausbildung haben etwas mehr als die Hälfte der Befragten das Gefühl, mitbestimmen zu können. Am Wohnort oder in der Gemeinde sind es etwa 43 Prozent.
Auch die offenen Antworten zeigen, was vielen wichtig ist: mehr Freizeit und Erholung, Unterstützung und Hilfsangebote sowie Mitbestimmung und Selbstbestimmung. Von Erwachsenen wünschen sich die Jugendlichen vor allem Verständnis und Empathie, Zuhören und Ernstgenommenwerden sowie Respekt und Akzeptanz.
Schreiben, was bewegt
Im Creative-Writing-Workshop „Wie geht’s? Schreib, was dich bewegt!“ mit 15 Jugendlichen wurden viele dieser Themen persönlicher greifbar. Auch hier spielte schulischer Druck eine große Rolle. Einige beschrieben eindrucksvoll, wie Gedanken an Hausaufgaben, Noten und die eigene Zukunft bis in den Abend hinein präsent bleiben und sie nicht zur Ruhe kommen lassen. Auch die Bedrohung durch Krieg, die Wirkung entsprechender Fernsehbilder und die Betroffenheit durch Gespräche mit geflüchteten Mitschülerinnen und Mitschülern kamen zur Sprache. Vor allem ältere Mädchen sahen den Einfluß von Social Media sowie den dort herrschenden "Beautyzwang" kritisch. Die vermittelten Schönheitsideale wie auch die männlichen Reaktionen aus ihrem Umfeld geben ihnen das Gefühl, als junge Frau auf den eigenen Körper reduziert zu werden. Jenseits persönlicher Erfahrungen und Wünsche beschäftigten die Jugendlichen vor allem größere gesellschaftliche Fragen: Sie wünschten sich Frieden, weniger Ungerechtigkeit und mehr Zusammenhalt.
Die Befragung ist nicht repräsentativ. Sie fand an einem einzelnen Veranstaltungstag statt, die Teilnehmenden besuchten den Demokratie-Tag überwiegend mit ihren Klassen und die Geschlechterverteilung war nicht ausgewogen. Als Stimmungsbild zeigt sie dennoch, welche Themen die befragten Jugendlichen besonders beschäftigten: die Bedeutung von Freundschaften und persönlichen Freiräumen, Schule und Leistungsdruck als Belastung sowie der Wunsch, gehört, respektiert und beteiligt zu werden.
Stimmen zum Demokratietag auf der Website von Rheinland-Pfalz