Kommunen für die Folgen des Klimawandels stärken
Fachtag verbindet Klimaanpassung, Gesundheitsförderung und soziale Gerechtigkeit
Hitzeperioden, Extremwetterereignisse und veränderte Umweltbedingungen wirken sich zunehmend auf die Gesundheit aus. Vor allem Kommunen stehen damit vor der Aufgabe, Lebensräume auch unter veränderten klimatischen Bedingungen gesund, lebenswert und sozial gerecht zu gestalten. Wie das gelingen kann, zeigte der Fachtag „Klima wandelt Gesundheit – Kommunen gesund und klimaresilient gestalten“ der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit Rheinland-Pfalz (KGC), die von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) getragen wird.
Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Landesbehörden, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst sowie aus Klimaanpassung, Gesundheitsförderung und sozialen Einrichtungen kamen zusammen, um fachliche Impulse aufzunehmen und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.
„Der Klimawandel ist längst auch eine gesundheitspolitische Herausforderung. Gerade Hitze trifft nicht alle Menschen gleichermaßen. Deshalb müssen wir diejenigen besonders im Blick behalten, die stärker belastet sind oder weniger Möglichkeiten haben, sich zu schützen“, sagte Dr. Arnd Goldt vom Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit in Rheinland-Pfalz und bekräftigte: „Den Kommunen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.“
Planetare Gesundheit praktisch einbeziehen
Den fachlichen Auftakt gestaltete Dr. Marischa Fast von der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG). In ihrem Impuls „Planetary Health und Gesundheitsförderung – ein Match?!“ stellte sie ein Stufenmodell vor, das zeigt, wie die planetare Gesundheit systematisch in Gesundheitsförderung und Prävention einbezogen werden kann. Der Ansatz von Planetary Health nimmt die enge Verbindung zwischen der Gesundheit des Menschen und den natürlichen Lebensgrundlagen der Erde in den Blick. Gesundheitsschutz bedeutet aus dieser Perspektive auch, Umwelt- und Klimabedingungen mitzudenken. Ein anschließendes World Café griff die Frage auf, wie sich dieser Ansatz in der kommunalen Praxis umsetzen lässt und bereits Anwendung findet.
Klimaanpassung wirkt in mehrere Richtungen
Elisa Michel-Karacic vom Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen zeigte mit ihrem Fachimpuls „Mehr Gesundheit durch Klimaanpassung – Synergien und Co-Benefits“ die Folgen des Klimawandels in Rheinland-Pfalz und Handlungsmöglichkeiten für Kommunen auf. Im Mittelpunkt stand insbesondere die Belastung durch Hitze. An Praxisbeispielen wurde deutlich, dass Kommunen auf ganz unterschiedlichen Ebenen ansetzen können: von langfristigen Strategien und Hitzeaktionsplänen bis zu unmittelbar umsetzbaren Maßnahmen wie Trinkbrunnen, Informationsangeboten oder Kampagnen. Viele dieser Maßnahmen haben einen Co-Benefit, also einen mehrfachen Nutzen. Sie schützen vor Klimafolgen, fördern Gesundheit und können zugleich die Aufenthalts- und Lebensqualität im Wohnumfeld verbessern.
Klima und Gesundheit als gemeinsame Aufgabe
„Prävention funktioniert besonders gut, wenn unterschiedliche Bereiche zusammenarbeiten, ihre Erfahrungen bündeln und gemeinsam Lösungen entwickeln“, betonte Dave Paulissen von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz. Martina Ebener von der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland knüpfte daran an: „Gerade beim Thema Klima und Gesundheit braucht es ein Ineinandergreifen von Gesundheitsförderung, kommunaler Planung und Klimaanpassung. Das GKV-Bündnis für Gesundheit Rheinland-Pfalz setzt deshalb in seinen geförderten Projekten auf ressortübergreifende Zusammenarbeit. Im Sinne von ‚Health in All Policies‘ geht es darum, Gesundheit bei Entscheidungen in allen Politikfeldern mitzudenken.“
Am Nachmittag vertieften drei Workshops zentrale Aspekte des Fachtags: den Umgang mit Klimakrise und Zukunftssorgen bei Kindern und Jugendlichen, die Verbindung von Klimagerechtigkeit, Gesundheit und sozialer Teilhabe sowie die Bedeutung von Bürgerbeteiligung für den kommunalen Hitzeschutz.
„Kommunen haben viele Möglichkeiten, die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels abzufedern“, sagte Susanne Herbel-Hilgert, Geschäftsführerin der LZG. „Wir sehen, dass vor Ort kreative Ideen und nachhaltige Maßnahmen entwickelt werden. Dazu gehören auch soziale Unterstützungsstrukturen, etwa durch ehrenamtlich Engagierte, die besonders gefährdete Menschen erreichen, informieren und im Alltag unterstützen.“
Was der Fachtag deutlich machte
Eine klimaresiliente Kommune ist auch eine gesundheitsfördernde Kommune. Wirksame Klimaanpassung entsteht dort, wo Gesundheit, soziale Lage und Umweltbedingungen gemeinsam betrachtet werden. Dafür braucht es ressortübergreifende Zusammenarbeit, Beteiligung und Strukturen, die langfristig vor Ort tragen.
Der Fachtag wurde gefördert mit Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen des Landes Rheinland-Pfalz nach §20a SGB V im Rahmen der Aufgaben zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten. Das Gesundheitsministerium sowie die Unfallkasse Rheinland-Pfalz zählen zu den weiteren Unterstützern.
V.i.S.d.P. Susanne Herbel-Hilgert, Geschäftsführerin
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